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gamescom 2026: Deutschlands Games-Branche zwischen Wachstum, Förderung und Finanzierungsdruck


Köln, September 2026 – Die gamescom 2026 in Köln hat einmal mehr gezeigt, welche Bedeutung die Games-Branche inzwischen für Wirtschaft, Technologie und Kultur in Deutschland besitzt. Vom 24. bis 30. August kamen Fachbesucherinnen und Fachbesucher sowie hunderttausende Spielefans zur weltweit größten Computer- und Videospielmesse. Mehr als 1.600 Ausstellende aus 67 Ländern präsentierten auf rund 233.000 Quadratmetern ihre Produkte und Projekte. Gleichzeitig wurde deutlich: Hinter der großen Begeisterung für Games steht eine Branche, die trotz Wachstum und staatlicher Förderung weiterhin mit erheblichen wirtschaftlichen und vor allem finanziellen Herausforderungen konfrontiert ist.

Die gamescom ist damit längst mehr als ein Publikumsevent. Sie ist Treffpunkt für Entwicklerstudios, Publisher, Investoren, Dienstleister, Politik und internationale Geschäftspartner. Gerade für den deutschen Games-Standort ist die Messe ein wichtiger Gradmesser dafür, wo die Branche steht – und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit aus kreativen Ideen erfolgreiche und international wettbewerbsfähige Unternehmen entstehen können.

Deutsche Games-Branche wächst – Beschäftigung bleibt unter Druck

Die aktuellen Zahlen des game – Verband der deutschen Games-Branche zeichnen ein ambivalentes Bild. Die Zahl der aktiven Games-Unternehmen in Deutschland ist innerhalb eines Jahres um vier Prozent auf 956 Unternehmen gestiegen. Darunter befinden sich 474 reine Entwicklerstudios, 427 Unternehmen, die Entwicklung und Publishing verbinden, sowie 55 reine Publisher.

Gleichzeitig bleibt die Beschäftigungssituation angespannt. Bei Entwicklern und Publishern arbeiten aktuell 12.235 Menschen, drei Prozent weniger als im Vorjahr. Rechnet man Beschäftigte in angrenzenden Bereichen wie Handel, Medien, Bildung und öffentlichem Sektor hinzu, sichert die Games-Branche in Deutschland weiterhin mehr als 30.000 Arbeitsplätze.

Die Entwicklung macht deutlich: Deutschland verfügt über eine vielfältige und vergleichsweise stabile Games-Landschaft. Gleichzeitig reicht die Zahl der Unternehmen allein nicht aus. Entscheidend ist, ob Studios ihre Projekte langfristig finanzieren, entwickeln, vermarkten und international skalieren können.

Ein Milliardenmarkt mit internationalem Wettbewerbsdruck

Auch der deutsche Games-Markt selbst bleibt wirtschaftlich bedeutend. Im ersten Halbjahr 2026 wurden mit Games, Games-Hardware und Online-Gaming-Services in Deutschland rund 4,2 Milliarden Euro umgesetzt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies allerdings einem Rückgang von drei Prozent.

Langfristig betrachtet ist die Ausgangslage dennoch stark: Laut dem Jahresreport der deutschen Games-Branche 2026 belief sich der Gesamtumsatz mit Games, Games-Hardware und Online-Gaming-Services im Jahr 2025 auf rund 9,4 Milliarden Euro. Deutschland ist damit der größte Games-Markt Europas und gehört weltweit zu den bedeutendsten Märkten. Gleichzeitig verbleibt allerdings nur ein vergleichsweise kleiner Teil der hier getätigten Ausgaben bei deutschen Games-Unternehmen. Nach Angaben der Branche sind es von 100 Euro, die in Deutschland für Games ausgegeben werden, lediglich rund 5,50 Euro.

Genau hier liegt eine der zentralen Herausforderungen des Standorts: Die Nachfrage nach Games ist groß, die kreative Szene ist vielfältig – doch die großen internationalen Umsätze werden weiterhin überwiegend von Unternehmen aus den USA und Asien erzielt.

Fördermittel schaffen Chancen – lösen aber nicht jedes Finanzierungsproblem

Dass sich die Situation für die deutsche Games-Branche in den vergangenen Jahren schrittweise verbessert hat, liegt auch an der staatlichen Förderung. Der Bund hat die Games-Förderung deutlich ausgeweitet. Für 2026 stehen 120 Millionen Euro zur Verfügung; dieses hohe Förderniveau soll auch in den kommenden Jahren gehalten werden. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bekräftigte auf der gamescom, dass die Bundesregierung die Förderung auf diesem Niveau fortführen wolle.

Die Förderung kann für Studios einen erheblichen Unterschied machen. Nach den aktuellen Förderbedingungen können grundsätzlich bis zu 25 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen werden. Für kleine und mittlere Unternehmen sind Förderquoten von bis zu 45 Prozent möglich, bei Start-ups bis zu 50 Prozent. Die Förderung erfolgt als nicht rückzahlbarer Zuschuss; die verbleibenden Kosten müssen jedoch aus nicht subventionierten Quellen finanziert werden.

Genau an diesem Punkt entsteht für viele Studios eine entscheidende Finanzierungslücke.

Eigenkapital bleibt eine zentrale Hürde

Denn öffentliche Förderung bedeutet nicht, dass ein Games-Projekt vollständig finanziert ist. Studios müssen in der Regel einen eigenen finanziellen Beitrag leisten beziehungsweise weitere Finanzierungsquellen erschließen. Gerade für junge Unternehmen und kleinere Entwicklerteams kann das zu einer erheblichen Hürde werden.

Beim Entwicklerstudio HeadUp aus Düren bei Aachen ist dieses Problem bekannt. Geschäftsführer Dieter Schoeller beschreibt die Situation mit Blick auf das notwendige Eigenkapital: „Man muss eben einen gewissen Obolus mitbringen, um die Förderung abzurufen. Wenn man das kann, dann sind die Fördertöpfe toll.“

Die staatlichen Mittel seien grundsätzlich vorhanden und würden auch gute Projekte ermöglichen. Gleichzeitig fehle jungen Studios häufig der Zugang zu klassischen Bankkrediten. Investitionen in die Gamesbranche werden von traditionellen Finanzierungsgebern teilweise weiterhin als risikoreich eingestuft.

Damit entsteht ein strukturelles Problem: Ein Studio kann ein förderfähiges und wirtschaftlich interessantes Projekt haben – und dennoch an der Finanzierung des notwendigen Eigenanteils scheitern.

Internationale Wettbewerbsfähigkeit bleibt das große Ziel

Auch der Branchenverband game sieht weiteren Handlungsbedarf. Geschäftsführer Felix Falk fordert neben der bestehenden Gamesförderung zusätzliche Instrumente, insbesondere eine international konkurrenzfähige steuerliche Förderung. Ziel müsse es sein, Deutschland als Produktionsstandort langfristig auf Augenhöhe mit internationalen Games-Märkten zu bringen.

Die Frage der Finanzierung ist dabei nicht nur eine Frage einzelner Projekte. Sie entscheidet auch darüber, ob deutsche Studios wachsen und international erfolgreich werden können.

Die Politik hat die wirtschaftliche Bedeutung der Branche inzwischen deutlich erkannt. Bei der politischen Eröffnung der gamescom betonte Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil die Bedeutung von Games für Arbeitsplätze, Digitalisierung, Entwicklung und Künstliche Intelligenz. Die Gamesbranche könne einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Deutschland und Europa technologisch vorankommen.

Stabilität statt Weltmarktführerschaft

Wie groß die Lücke zwischen Stabilität und internationaler Spitzenposition weiterhin ist, zeigt der Blick auf die globale Entwicklung.

Der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Müller-Lietzkow von der HafenCity Universität Hamburg beschreibt die deutsche Gamesindustrie als vergleichsweise stabil. Gleichzeitig sei es Deutschland bislang nicht gelungen, insbesondere im stark wachsenden Bereich Mobile Gaming mit den internationalen Marktführern Schritt zu halten.

Auch die Marktanteile verdeutlichen diese Situation: Deutsche Unternehmen profitieren von einem großen heimischen Games-Markt, sind bei den internationalen Blockbustern jedoch deutlich weniger präsent als Anbieter aus den USA oder Asien.

Das Problem ist deshalb nicht mangelnde Nachfrage. In Deutschland spielen laut dem aktuellen Branchenreport 41,2 Millionen Menschen Computer- und Videospiele; unter den 6- bis 69-Jährigen sind es rund sechs von zehn Menschen.

Das Potenzial ist also vorhanden. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie kann Deutschland aus diesem Potenzial mehr wirtschaftliche Wertschöpfung und international erfolgreiche Games-Unternehmen entwickeln?

Finanzierung wird zum entscheidenden Faktor

Die gamescom 2026 hat damit ein widersprüchliches Bild hinterlassen: Auf der einen Seite stehen eine große internationale Messe, steigende Unternehmenszahlen, eine lebendige Indie-Szene, Milliardenumsätze und eine wachsende politische Anerkennung der Gamesbranche. Auf der anderen Seite stehen sinkende Beschäftigtenzahlen, hohe Produktionskosten, internationaler Wettbewerbsdruck und die schwierige Finanzierung insbesondere für junge und kleinere Studios.

Fördermittel sind dabei ein wichtiger Baustein. Sie können Entwicklungsrisiken reduzieren und ermöglichen Projekte, die ohne öffentliche Unterstützung möglicherweise nicht realisiert würden. Doch Förderung allein ersetzt keine ganzheitliche Finanzierungsstrategie.

Gerade die Verbindung unterschiedlicher Finanzierungsquellen – etwa Eigenkapital, öffentliche Förderung, Fremdkapital, strategische Partner oder weitere Investoren – wird deshalb zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für die nächste Entwicklungsphase der deutschen Games-Branche.

Kooperationspartner FAIRKULTUR: Finanzierungskonzepte für die Games-Branche in Entwicklung

An diesem Punkt setzt FAIRKULTUR an.

FAIRKULTUR entwickelt derzeit ein eigenes Konzept für die Finanzierung von Unternehmen und Projekten in der Games-Branche. Ziel ist es, die besonderen Anforderungen der Gameswirtschaft stärker mit den Möglichkeiten moderner Unternehmens- und Projektfinanzierung zu verbinden.

Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Studios und Games-Unternehmen Finanzierungslücken zwischen Fördermitteln, Eigenkapital und weiteren Kapitalquellen schließen können. Gerade dort, wo öffentliche Förderung zwar grundsätzlich möglich ist, aber ein finanzieller Eigenanteil oder zusätzliche Mittel benötigt werden, besteht ein konkreter Bedarf an geeigneten Finanzierungslösungen.

Das Konzept von FAIRKULTUR befindet sich derzeit in der Entwicklung und soll demnächst für die Games-Branche angeboten werden.

Damit greift FAIRKULTUR eine zentrale Erkenntnis der gamescom 2026 auf: Die deutsche Games-Branche verfügt über Kreativität, Know-how, Unternehmen und einen starken Heimatmarkt. Damit daraus langfristig mehr international erfolgreiche Produktionen und wachsende Unternehmen entstehen können, braucht es neben guten Ideen und Förderprogrammen vor allem eines – verlässliche und passende Finanzierungsmöglichkeiten.

Die gamescom 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass das Potenzial vorhanden ist. Jetzt kommt es darauf an, die finanziellen Rahmenbedingungen so weiterzuentwickeln, dass dieses Potenzial auch ausgeschöpft werden kann.

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Reden/2026/2026-08-26-lars-klingbeil-gamescom.html - Rede von Lars Klingbeil bei der politischen Eröffnung der gamescom